„Wir begrüßen, dass die genossenschaftliche Herangehensweise ausdrücklich genannt wird“

Rede bei der Stavo am 27.08.2026 zur Vorlage von Teil B der kommunalen Wärmeplanung (Vorlage 2026/0167)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

endlich liegt der zweite Teil der Wärmeplanung vor, in dem es vor allem um die Umsetzung der Wärmewende geht. Von politischer Bedeutung ist hier vor allem Anhang 2 mit konkreten Vorschlägen, wie der Umbau der Wärmeversorgung voranzutreiben ist.

Bei vielen dieser Maßnahmen geht es um den Ausbau der Beratung, sei es von Handwerkern oder von Eigentümern, bis hin zur Unterstützung von größeren Lösungen durch ein städtisches Nahwärmezentrum.

In den dezentralen Versorgungsgebieten – und das ist ja der größere Teil des Stadtgebiets – müssen mittelgroße Nahwärmelösungen ermöglicht werden, damit nicht jedes Haus ein eigenes Gerät in einen möglicherweise gar nicht vorhandenen Kellerraum stellen muss. Außerdem sind effizienzsteigernde Technologien wie die Nutzung von Erdwärme bei kleinen Einzelanlagen kaum möglich.

Wir begrüßen, dass hierbei die genossenschaftliche Herangehensweise ausdrücklich genannt wird. Ich hoffe sehr, dass sich eine Bewegung in der Bevölkerung entwickelt, die sich auf diese Weise in die Wärmewende einbringt und dabei an mehr als nur die eigene Versorgung denkt. Solche Initiativen müssen von der Stadt entschlossen unterstützt werden. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, wenn ich z.B. an die mangelnde Unterstützung der Energiegenossenschaft EnGenDa bei der Ausstattung öffentlicher Gebäude mit PV-Anlagen denke.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch anregen, dass die Stadt bei künftigen Planungen in eigenen Liegenschaften die Möglichkeit zur Mitversorgung umliegender Wohn- oder Geschäftsgebäude prüft. Hier wäre vor allem im Eigenbetrieb IDA Kreativität gefragt.

Mit der vorliegenden Wärmeplanung sind die Grundlagen gelegt, aber der Prozess ist natürlich nicht abgeschlossen. Es ist wichtig, dass die Weiterentwicklung nicht nur auf gesamtstädtischer Ebene stattfindet, sondern auch in den Stadtteilen betrieben wird. Dort muss die kleinteilige Planung passieren, durch die Erstellung von Quartierskonzepten und mit einem Sanierungsmanagement auf Stadtteilebene, das sich mit der Situation vor Ort auskennt und mit Ansprechpersonen im Viertel präsent ist.

Insgesamt müssen die vorgeschlagenen Maßnahmen auch wirklich finanziert werden. Der Anteil externer Förderung ist in vielen Fällen sehr hoch, es wäre bitter wenn die Umsetzung der Wärmewende daran scheitert, dass kommunale Eigenanteile nicht im Haushalt bereitgestellt werden. Es gilt, wie auch bei vielen anderen Themen: Nichts oder zu wenig zu tun, kommt am Ende teurer, als wenn wir jetzt ohne Finanzierungsvorbehalte in die richtigen Maßnahmen investieren!

Zum Schluss will ich noch auf die zentrale Wärmeversorgung durch Fernwärme eingehen.

Es ist enttäuschend, dass sich die entega beim Ausbau nicht auf einen klaren Zeitplan festlegen, sondern eher auf Sicht fahren will. Das erzeugt Unsicherheiten bei den Eigentümern, die zu Verzögerungen und falschen Entscheidungen führen können. Ich hoffe, dass die Entega hier noch nachsteuert. Sie sollte recht bald eine anhand von Interessensbekundungen entwickelte Fortschreibung der Ausbauplanung für die Zeit nach 2030 vorlegen.

Auch bezüglich der Preisentwicklung der Fernwärme herrscht Unsicherheit und Misstrauen. Die potentiellen Kundinnen und Kunden brauchen ein klares Versprechen der Stadt und der Entega, dass die Fernwärme keine Preissprünge nach oben machen wird. Die aktuelle Preisobergrenze ist dysfunktional. Sie berechnet sich u.a. aus dem Gaspreis und dem Preisdurchschnitt anderer Wärmeerzeuger, und sie liegt so hoch, dass die Entega sie freiwillig deutlich unterschreitet.

Notwendig ist eine Bindung an den Industriestrompreis, damit Bauherren beim Systemvergleich mit der Wärmepumpe mit einer ähnlichen Preisentwicklung für die Primärenergie rechnen können. Soweit ich weiß kann von uns keine neue Formel vereinbart werden, weil zunächst die Bundesregierung die Gesetzeslage anpassen muss. Wirken Sie darauf hin, dass dies schnell geschieht, und wir danach in der Kommune schnell eine vertrauenswürdige Preisobergrenze bekommen! Ich bin mir sicher, dass dann mehr Eigentümer bereit sind, sich auf die Nutzung von Fernwärme festzulegen.

Die vorgelegte Wärmeplanung ist eine brauchbare Basis für die Umsetzung der Wärmewende in Darmstadt.

Wir werden ihr also zustimmen.