Bildungschancen für alle!
Statt frühzeitiger Auslese, Stress und Chancenlosigkeit: Gemeinschaftsschule, sinnvolle Arbeitszeiten, Ausbildungsumlage und natürlich Abschaffung der Studiengebühren!
Die Qualität des deutschen Bildungssystem ist in der Bewertung der OECD von Platz 10 auf Platz 22 in Europa zurückgefallen. Auch die PISA-Studie hat Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Strukturen in den Kindertagesstätten, Schulen, Lehrwerkstätten und Hochschulen müssen grundlegend verändert werden, um Deutschland wieder auf europäisches Niveau zu bringen.
Soziale Auslese
Ursache der Misere ist die frühe Auslese nach dem Geldbeutel und dem Bildungs-Hintergrund der Familie. Denn auch bei der Bildung klafft die "soziale Schere" immer weiter auseinander.
In der Bundesrepublik leben 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus Geringverdiener- oder Hartz-IV-Familien in Armut, d.h. ihre Eltern haben weniger als 250€ monatlich für sie zur Verfügung. Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Mittagsmahlzeit nicht gesichert, es gibt Probleme bei der Anschaffung von Schulmaterial, und eine qualifizierte Ganztagsbetreuung ist schon gar nicht denkbar. Kinder mit Migrationshintergrund verbleiben überdurchschnittlich oft chancenlos in Förder- und Hauptschulen. Die Potenziale vieler Kinder bleiben auf diese Weise ungenutzt.
Frühkindliche Bildung
Der im Prinzip begrüßenswerte hessische Bildungs- und Erziehungsplan richtet sich an alle Kinder bis 10 Jahre. Sinnvollerweise wird damit in der Theorie die Trennung zwischen Kindertagesstätten und Schulen aufgeweicht. Praktisch wird die Umsetzung durch einen sehr schlechten Betreuungsschlüssel in Frage gestellt. Auch die "Vorlaufkurse", in denen Kindergartenkinder stundenweise nebenbei Deutsch lernen sollen, sind unzureichend und wenig hilfreich.
Die geringe Wertschätzung der Politik für diesen Bereich kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie das sozialpädagogische Personal sehr schlecht bezahlt wird - mit einem Bruttoverdienst von etwa 2000 Euro in der Nähe des Existenzminimus.
Schulen
Nach der vierten Klasse zementiert dann das dreigliedrige Schulsystem die soziale Auslese. Es wird auf Trennung statt auf Integration gesetzt. Kaum ein anderes Schulsystem ist so selektiv wie das deutsche!
Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerschaft klagen über Stress und Überlastung. An den Gymnasien verschärft die verkürzte Abiturdauer die Lage. Doch anstatt neue Lehrerinnen und Lehrer einzustellen, reagiert die hessische Regierung mit Arbeitszeitverlängerung und einer "Unterrichtsgarantie" durch pädagogische Laien. Die Unzufriedenheit an den hessischen Schulen hat in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht.
Ausbildung
Die hessischen Arbeitgeber haben sich im Rahmen eines "Ausbildungspaktes" zur Schaffung von jährlich 2.000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen verpflichtet. Dieser ist jedoch auch im aktuellen Ausbildungsjahr gescheitert. Es wurden nur etwa 30.000 Lehrstellen angeboten, gegenüber 42.000 im Jahr 2000. Diesem Angebot stehen 48.000 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, wobei Jugendliche in "Fördermaßnahmen" oder auf ein Studium ausgewichene Abiturienten noch nicht einmal berücksichtigt sind. Es fehlen also mindestens 18.000 Lehrstellen.
Die Betriebe beklagen mitunter, dass sich keine ausreichend qualifizierten Bewerbungen erhalten. Daran wird nochmals deutlich, dass eine tiefgreifende Reform der Schul- und Vorschulbildung dringend notwendig ist.
Hochschulen
Durch die Aufspaltung des Diplomstudiums in den verkürzten "Bachelor"-Studiengang und den nur für ein Drittel der Studierenden vorgesehenen "Master" wurde ein weiteres Auslese-Instrument geschaffen. Außerdem schreckt die Koch-Regierung viele Abiturientinnen und Abiturienten durch Studiengebühren ab: Schon jetzt beenden nur 20% eines Altersjahrgangs ein Studium. Dieser im europäischen Vergleich sehr geringe Anteil wird nach der Einführung der Gebühren noch weiter zurückgehen. Damit würde der Druck auf den ohnehin schon versagenden Lehrstellenmarkt weiter steigen.
Wirtschaftliche Entwicklung
Trotz all dieses Elends zeigt sich die hessische Regierung mit ihrer Bildungspolitik zufrieden. Doch andererseits setzt sie - wie auch die Bundesregierung - auf die vermehrte Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland. So werden die Investitionen andererer Länder ausgebeutet, während man den Menschen hier eine ausreichende Bildung vorenthält. Trotzdem ist abzusehen, dass in Zukunft viele Akademikerstellen nicht besetzt werden können, mit entsprechenden Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung.
Öffentliche Investitionen in Bildung, Erziehung und Ausbildung entscheiden über Hessens Zukunft. Dabei geht es nicht nur um den unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen. Wichtig ist auch die Erziehung zu sozialer Kompetenz und die Ausbildung von verantwortlichen und solidarischen Persönlichkeiten.
Was tun?
Es ist das zentrale Ziel linker Bildungspolitik, Kinder und Jugendliche mit ungünstigeren Voraussetzungen zu fördern und zu integrieren. Insbesondere das dreigliedrige Schulsystem ist ein Werkzeug der Auslese. Ich werde mich stark dafür einsetzen, dass es endlich auch in Deutschland abgeschafft und durch eine Gemeinschaftsschule bis zur 10. Klasse ersetzt wird.
Außerdem bin ich für
- die Wiedereinführung des 13-jährigen Abiturs
- die Neueinstellung von ausgebildetem Lehrpersonal zur Sicherstellung des Unterrichts
- Arbeitszeitverkürzung der Lehrerinnen und Lehrer auf 38,5 Stunden
- ein gebührenfreies Studium
- kostenlose Plätze in Kitas auch für unter Dreijährige
- Ausbildungsabgabe für alle Betriebe, die nicht ausbilden